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Kinderbücher

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Erich Kästner
Einen kindlich unbefangenen Blick auf die soziale Realität hat sich kaum ein zweiter Kinderautor so bewahrt wie der 1899 geborene Schriftsteller Erich Kästner. Sein Kinderroman Emil und die Detektive erregte 1928 nicht nur Aufsehen wegen der spannenden Handlung.

Für die damalige Kinderliteratur waren zum Teil märchenhafte, auf jeden Fall aber fiktive Handlungsorte üblich. Kästner legte die Handlung seines Romans nun mitten in die Großstadt Berlin, in die Gegenwart. Denselben Gegenwartsbezug haben zwei weitere Kinderbücher Kästners: Pünktchen und Anton (1931) und Das fliegende Klassenzimmer (1933).

Kästner, aufgewachsen unter kleinbürgerlichen Verhältnissen in Dresden, war Zeit seines Lebens Humanist und Antimilitarist. Von 1919 bis 1925 studierte der Sohn eines Sattlermeisters und einer Friseuse Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. 1925 folgte die Promotion.

Bestimmend blieb weit über die Phase des Erwachsenwerdens hinaus die Beziehung zu seiner Mutter Ida Kästner. Der Mutter gegenüber fühlte sich noch der etablierte Schriftsteller in der Schuld, ihr schrieb er fast täglich. Doch "Muttersöhnchen" war Kästner auf sehr vielschichtige Weise - und eben mit literarischen Folgen.

Biografen betrachten die Jahre zwischen 1927 und 1933 als Kästners produktivste Phase. Die Kinderbücher verschafften ihm Anerkennung und eine relativ gesicherte Existenz. Ab 1933, nach der Machtergreifung der Nazis, war Kästner Schikanen ausgesetzt, bis hin zur Verbrennung seiner Bücher 1933 und zum Schreibverbot 1942.

Anders als zahlreiche Schriftstellerkollegen entschloss Kästner sich jedoch, in Deutschland zu bleiben. Während der Nazizeit verfasste er unter Pseudonym Unterhaltungsliteratur und Filmdrehbücher.

1945, nach Kriegsende, zog Kästner nach München. Dort leitete er ein Feuilleton und gab eine Kinderzeitschrift heraus. Mit dem Doppelten Lottchen (1950) hatte er noch einmal literarischen Erfolg. Die politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik, allem voran die Re-Militarisierung, sagten ihm wenig zu.

Veröffentlichungen wurden selten, wozu auch Kästners zunehmender Alkoholismus beitrug. Ab 1965 zog er sich aus dem Literaturbetrieb zurück. Erich Kästner starb, laut Zeitzeugen ein gebrochener Mann, am 29. Juli 1974 an Speiseröhrenkrebs.

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Die Kinder- und Jugendliteratur der DDR...
fußte in ihren Anfängen auf Werken der proletarischen Literatur der 1920er und 1930er Jahre. Ein Beispiel ist Alex Weddings Ede und Unku (zuerst 1931 erschienen, 1954 wieder aufgelegt).

Viele Texte waren der antifaschistischen Problematik verpflichtet. Historische Erzählungen griffen jedoch auf ein weites Themenfeld zurück. Das reichte von der Eroberung des Nordpols bis in den Bauernkrieg, von fernen Ländern bis hin zu deutschen Dorfgeschichten, wie in Ehm Welks Die Heiden von Kummerow.

Natürlich gab es ideologische Prägung, nicht selten mit didaktischem Zungenschlag. Typisch war der ins Kollektiv einzugliedernde - und erfolgreich eingegliederte - Außenseiter. Politische Feindbilder wurden eher behutsam aufgebaut. Zur Kinderliteratur zählten, nach ausgiebiger Diskussion, weiterhin Grimms Märchen.

Soziale Gegenwart für Kinder erzählte unter anderem Erwin Strittmatter (Tinko); Erinnerungsliteratur  für Jugendliche präsentierten neben vielen anderen Dieter Noll (Die Abenteuer des Werner Holt, 1960) oder Horst Beseler (Käuzchenkuhle, 1965).

Der Trend zur Kinder-Emanzipation war auch in der späten Kinder- und Jugendliteratur der DDR nicht zu übersehen: Heranwachsendenprobleme, Liebe, Sexualität und Konflikte mit Autoritäten waren ausführlich behandelte Themen.

Franz Fühmann (Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel) und Peter Hacks (Kinderkurzweil) lieferten Beiträge zu einer fantastischen beziehungsweise fiktionalen Kinderliteratur in der DDR.

Zu den Eigentümlichkeiten der DDR-Kinder- und Jugendliteratur gehört, dass einige "heiße" Fragen, zum Beispiel zum Umweltschutz, relativ offen angesprochen werden konnten. Anders als in der Erwachsenenliteratur hat die Zensur hier offenbar ein Auge zugedrückt. Sogar Sozialkritik war innerhalb gewisser Grenzen möglich.